Aquarienfotografie – Tipps aus der Praxis

Erstellt am: 10 November 2010 von Lemi

Metriaclima caillanos Männchen

Gute Aquarienfotos bekommt man mit etwas Übung und Wissen gut hin. Nicht die Kamera macht gute Fotos, sondern der Fotograf. Oft hört ja man von der schlechten Kamera die keine gute Fotos schiesst :-) Es liegt wirklich am Fotograf die Kamera so einzustellen um das optimalste aus der Ausrüstung zu holen. Eine digitale Spiegelreflex ist klar im Vorteil gegenüber einer kompakten Digitalkamera. Schon beim auslösen des Fotos merkt man den Unterschied. Die DSLR reagiert sofort und löst aus, die kompakte Kamera löst verzögert aus. Das führt oft dazu, dass das Objekt, sprich Fisch, nicht mehr im Fokus ist und der Kopf oder ein anderes Teil auf dem Bild fehlt. Bei schwimmfreudigen Fischen wird die kompakte Digitalkamera fast zur Qual.

Blauer Floridakrebs (Procambarus alleni), nur von vorne geblitzt.

Die Technik wurde bei den kompakten Kameras in den letzten ziemlich verbessert, trotzdem kommen sie nie an eine digitale Spiegelreflexkamera an. Die Marke und das DSLR Model spielt salopp gesagt eine untergeordnete Rolle. Wichtiger ist das eingesetzte Objektiv bzw. die Linsen.
Klar wäre ein Vollformatsensor noch besser und eine eingebaute HD Video Funktion “nice to have”, aber für die Aquarienfotografie nicht unbedingt nötig. Ich spare lieber am Gehäuse, statt beim Glas. Die Technik der Kamera veraltet relativ schnell. Die vorhandenen Objektive kann ich bei einem neuen Gehäuse in den meisten Fällen weiterhin verwenden.

Man muss allerdings sagen, dass der Ausschuss an Fotos auch mit der optimalsten Ausrüstung recht hoch ist. Nicht alle Fische halten sich für längere Zeit am selben Ort auf und warten bis man Auslöser betätigt hat. Mit der Kenntniss über den zu fotografierenden Fischart(en) und etwas Übung, kann man einiges Abschätzen und entsprechend reagieren bei der jeweiligen Fotosession.

Absolut wichtig sind richtig sauber geputzte Aquarienscheiben -  und zwar Aussen und Innen. Beim blitzen kommt sonst jeder Kalkrand, Tropfen oder jede Alge auf dem Foto zum Vorschein. Was nachher nur mit Aufwand mit einer Bildbearbeitungssoftware wegretouchiert werden kann. Bei tiefen Kratzern im Glas hilft natürlich auch kein putzen mehr. Man kann aber Kratzer leicht mit einem Bildbearbeitungsprogram auf dem Foto wieder entfernen.

Ohne Licht keine Fotografie
. So auch in der Aquarienfotografie. Man kann im Notfall nur mit dem integrierten Blitz der Kamera fotografieren, besser sind aber mehrere Lichtquellen bzw. Blitze. Zum einen eliminiert man so unschöne Schlagschatten, zum anderen ist das Objekt viel besser ausgeleuchtet. Ich selber bevorzuge den internen Blitz als Master und einen guten Blitz als Slave oben auf dem Becken. Manchmal vermisse ich allerdings noch einen zweiten externen “entfesselten” Blitz. Bei der Kamera sollte man den Vorblitz, welches rote Augen verhindern soll, abstellen. Ein Blitzdiffusor ist ein grosser Vorteil, erstens verhindert man so unschöne und harte Schlagschatten und zweitens halten sich unerwünschte Reflektionen in Grenzen. Den eingebauten Systemblitz kann man z.B. mit Papiernastüchern abkleben.  Fische mit besonders irisierenden Farben kommen so viel besser zur Geltung. Z.B. bei Neons und anderen Salmlerarten.

Neonsalmler (Paracheirodon innesi) - Der Fokus liegt auf dem Auge

Als Objektiv verwende ich persönlich ein 60mm Makro. Das deckt alle meine Bedürfnisse in der Aquarienfotografie gut ab. Man kann auch ein Makro mit 100/105mm verwenden. Andere Objektive, wenn man Nah genug ran gehen kann gehen natürlich auch. Die 0815 18-55mm Kitobjektive reichen oft aus. Will man mehr Details und Schärfe, kommt man einem Makroobjektiv kaum vorbei.

Tropheops sp. Weibchen beim brüten

Das Stativ können wir in meisten Fällen, besonders für Fischportraits nicht einsetzen. Für Gesamtaufnahmen von Becken ist es jedoch besser mit Stativ zu arbeiten.

Petrochromis Becken

Kurz zusammengefasst braucht es:

  • digitale SLR mit einem möglichst lichtstarkem (Makro-)Objetiv
  • interner Blitz, optional 1-2 externe Blitze die von der Kamera aus gesteurt werden können
  • Frisch aufgeladene Akkus/Batterien für Blitz und Kamera
  • Mikrofasertuch (Scheiben putzen)
  • Geduld und Ausdauer

Wie schon beschrieben, sollten die Aquarienscheiben absolut sauber sein. Um Spiegelungen auf dem Aquarienglas zu verhindern, sollte der Raum wenn möglich abgedunkelt und keine anderen Lichtquellen (wie Fernseher, Compi, Nachttischlampe, Kerze etc.) im Raum an sein.
Ein dunkles T-Shirt ist beim aquarienfotografieren ein weiterer Vorteil. ;-) Wenn man mehrere Blitze zur Verfügung hat, muss man sie den Lichtverhältnissen entsprechend einstellen. Wir kontrollieren ob der Blitz mit der Kamera kommuniziert. Falls alles OK ist, kann man den Blitz auf der Abdeckscheibe positionieren.

Gorillapod

Falls keine Abdeckscheiben vorhanden sind, muss man sich was einfallen lassen. Ich verwende für solche Situationen meistens einen sogenannten Gorillapod. Das ist ein kleines Stativ mit extrem beweglichen Füssen. Man muss etwas aufpassen, dass man sich nicht an ihm anstösst und so der teure Blitz im Wasser landet. Ist mir übrigens schon mal passiert. Ich hatte allerdings viel Glück, da ich recht schnell reagiert hatte und den Blitz sofort rausgenommen, die Batterien entfernt und mit dem Föhn getrocknet habe. Am nächsten Tag war er zu meinem Glück wieder einsatzfähig.

So, nun stellen wir die Kamera ein. Ich fotografiere meistens mit manuellen Einstellungen. ISO 100, Blende 13-16, manchmal auch nur mit Blende 8,  je nach Objekt und Hintergrund, Verschlusszeit 1/125 Sek. oder kürzer, Weissabgleich lasse ich oft auf automatisch, da ich die Fotos im RAW Format speichere. So kann ich später z.B. mit Photoshop oder einem anderen RAW Format beherschenden Programm den Weissabgleich korrigieren bzw. anpassen. Auch der Autofokus ist ausgeschaltet und ich fokussiere von Hand. Bei quirligen und schwimmfreudigen Fischen ist das ein Muss. Durch die Scheiben und den schnellen Bewegungen kommt der Autofokus oft nicht schnelle genug nach. Man kann ja beide mal ausprobieren. Es gibt Objektive die extrem schnell fokussieren können, aber wie schon beschrieben, durch die Scheiben hat jedes Objektiv seine Mühe.

Je nach Beckenhöhe macht man es sich gut wie möglich bequem und achtet auf einen ruhigen Hintergrund und bleibt am Platz bis man den gewünschten Fisch im Fokus hat. Beim Fischfotografieren sollte der Fokus auf den Augen sein. Das heisst auf das Auge scharf stellen. Das gesamte Foto wirkt schärfer, wenn das Auge eine richtige Schärfe hat. Mit einer Blendenöffnung von 13-16 ist die Schärfe relativ einfach zu erreichen. Schwieriger wird es wenn man mit einer grossen Blende fotografieren muss/möchte. Die Tiefenschärfe verringert sich so um ein vielfaches, so dass man schon sehr genau fokussieren muss. Je nach Objekt und die Position des Fisches, kann man das Foto gestalterisch enorm anders darstellen, weil man mit der geringen Tiefenschärfe einen unschönen Hintergrund unscharf stellen und den Fisch so vom Hintergrund abheben kann.

Viele Anfänger machen den Fehler und fotografieren viel zu schräg zur Scheibe um so Reflektionen des Blitzes zu verhindern. Oft wirkt dann der Fisch auf dem Foto durch das Aquarienglas sehr verzerrt und nimmt auf dem Foto eine unnatürliche Form an. Es geht auch leicht schräg von der Seite oder leicht von oben. Mit der Zeit bekommt ein Gefühl für die richtige Position der Kamera zur Scheibe.

Am besten fotografiert man den selben Fisch mehrmals. Schliesslich fotografiert man digital, oder? Viele Fotos werden beim betrachten direkt im elektronischen Papierkorb “entsorgt”, dann ist es gut wenn man einige brauchbare und 3-4 sehr gute Fotos hat.

Für den Betrachter sieht das Foto besser aus wenn der Fisch nicht zu nah am Bildrand ist. Wichtig ist auch, dass der Fisch nicht vom Betrachter “fortschwimmt”. Gute Portraits sind solche von der Seite und etwas leicht von vorne. Vorteilhaft ist auch, wenn der Fisch, je nach Gattung/Art, sich von der besten Seite zeigt und z.B. seine Flossen spreitzt und keine Verletzungen aufweist. Frontalaufnahmen von Fischen können manchmal sehr lustig wirken. Fische beim laichen oder bei Revierkämpfen etc. Es gibt so viele interessante Momente die man festhalten kann.

Aulonacara Fire Fish, fotografiert in einem Händlerbecken mit Flecken

Dasselbe Foto, aber bearbeitet

Das nächste Thema wird die Bildbearbeitung sein. Nun viel Spass beim ausprobieren und fotografieren.

© Lemi Hacioglu

 

Interessante Links zum Thema Aquarienfotografie:

> Aquarienfotografie von Peter Pfeiffer. Viele Informationen und sehr schönen Detailaufnahmen
> Aquarienfotografie – Deutschsprachige Communitiy mit einer eindrücklichen Galerie und Forum

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  • 6 Kommentar(e) zu diesem Artikel

    1. peter pfeiffer schrieb am:

      Hi Lemi,
      sehr gute Einführung in die Thematik! Das gelegentliche Versenken eines Blitzes gehört anscheinend zum Leben eines “echten” Aquarienfotografen. ;-)

      Schöne Grüße
      Peter

      PS: Feed ist abonniert.

    2. Lemi schrieb am:

      Hi Peter,
      Danke für deinen Kommentar. Solche Missgeschicke kommen vor :-) .

      LG
      Lemi

    3. Marius schrieb am:

      Hi Lemi,
      das Petrobecken ist doch vom Tommy?
      Super Tipps!
      Danke!

      Gruß
      Marius

    4. Lemi schrieb am:

      Hi Marius,
      Freut mich, dass es dir zusagt. Ja stimmt, ist das Becken von Tommy ;)

    5. jossbonas schrieb am:

      Hi Lerni
      Dieser Bericht ist ja schon eine Weile her. Dennoch möchte ich dazu noch etwas fragen: Ich fotografiere nur in meinem Meerwasseraquarium und da habe ich immer so was wie “Luftbläschen”. Diese kann ich nur via Fotoretusche entfernen. Oder hast du dafür einen Trick?

      Viele Grüsse

    6. Lemi schrieb am:

      Hallo Jonas
      Wenn die Bläschen vom Filter/Schnellfilter etc. kommen, würde ich die für die Fotosession abstellen wenn möglich. Ansonsten bleibt dir nur die Bildbearbeitung und die kann bei vielen Bläschen recht zeitintensiv sein… ;-)

      Beste Grüsse
      Lemi

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