Grundlagen der Aquaristik – Algen und ihre Entstehung im Aquarium

Erstellt am: 25 Oktober 2010 von Lemi

Warum Algen entstehen und wie man sie los wird.

Kein anderes Problem lässt Aquarianer so an diesem schönem Hobby zweifeln, wie ein Algenproblem. Viele Beginner werfen schon in der Anfangsphase das Handtuch. Weil in der Anfangsphase die Biologie noch nicht ganz stimmt im Aquarium, wird die eine oder andere Algenart  im Aquarium auftauchen. Plötzlich sind die schönen Wurzeln, Pflanzen und Bodengrund mit unerwünschten Algen überwachsen. Schnell wird man im Laden fündig. Ein Anti-Algenmittel (Algizid) wird gekauft und grosszügig gebraucht. Einige Algen werden verschwinden und natürlich auch einige schöne Pflanzen. So fängt der Teufelskreis an und endet damit, dass man den Algen nicht mehr Herr wird und sich schlimmsten Fall vom Aquarium verabschiedet. Doch so weit muss es gar nicht kommen…

Ein Aquarium ist ein Biotop im Kleinstformat und zu einem Biotop gehören Algen einfach dazu. Allerdings mit Mass und in Grenzen. Der Aquarianer muss mit der Zeit das Gefühl entwickeln, wie er seine Fische richtig (dosiert) füttert, den Fischbesatz und Pflanzen sorgfältig auswählt und die Wasserwechselintervalle verkürzt. Auch die Wahl der Beleuchtung ist von grosser Bedeutung. Ein unerwünschter und übermässiger Algenwuchs hat immer eine Ursache. Das grösste Problem ist nur, diese Ursache zu finden. Erstens gibt es mehrere Algenarten und zweitens werden diese auch noch durch verschiedene Ursachen hervorgerufen.

Viele Algenarten haben die gleichen Lebensbedürfnisse wie Pflanzen. Sie benötigen Licht, Nährstoffe und sind, mit ausnahme der Blaualgen, auch Pflanzen.

Die häufigste Ursache von Algen ist “zu viel…”

Zu viel Futter reichert das Wasser mit Nährstoffen an, zuviel Licht hilft den Algen zu wachsen. In wenig bepflanzten Becken kann auch eine Überdüngung mit Aquarienpflanzendünger zu einem explosionartigen Wachstum von Algen führen. Die Wasserwerte müssen stabil sein und besonders in der Anfangsphase macht man oft Fehler mit den Pflanzendüngern.

Aber anders herum gilt auch: Zu wenig CO2 und zuwenig Dünger im Wasser sorgen dafür dass die Pflanzen kümmern und dadurch keine Konkurrenz für Algen sind.

Worauf man also achten sollte:
Möglichst wenig Nährstoffe durch vernünftigen Fischbesatz und angemessene Fütterung. Fische benötigen wirklich nur wenig Futter.

Dünge deine Pflanzen mit einem guten Dünger,aber sparsam. Der Dünger hilft beim Wachstum und sorgt dafür, dass andere Nährstoffe von den Pflanzen aus dem Wasser entnommen werden und somit den Algen nicht mehr zur Verfügung stehen. Setze CO2 zu, auch das hilft den Pflanzen beim Wachstum. Setze schnellwachsende Pflanzen (Hornkraut, Wasserpest, Vallisnerien, Eichenblatt, Wasserfreund usw.) ein, die Nährstoffe aus dem Wasser aufnehmen. Nimm regelmässig Teilwasserwechsel vor. Wöchentlich 30-40% sind nicht zuviel. Spätestens alle 14 Tage sollte ein Wasserwechsel vorgenommen werden. Hohe Phosphat- und Nitratwerte sind für Algen beste Voraussetzungen.

Bei Algenproblemen hilft übrigens kein Wundermittel! Wasserwechsel sind unverzichtbar für gesunde Tiere und Pflanzen. Man beseitigt Abfall- und Nährstoffe, die nur so aus dem Becken entfernt werden und längerfristig für weitgehend weniger Algen im Becken sorgen.

Wenn es die Beckengrösse zulässt, setze nützliche Fische ein, wie die Siamesische Rüsselbarbe (kann bis 15 cm Gross werden) oder Antennenwelse (bis 12 cm). Auf Algenbekämpfungsmittel verzichten wir lieber! Nur die Ursachenbekämpfung verhindert einen Neubefall oder möchtest du alle 2 Wochen die Chemiekeule einsetzen?

Die Algenarten und die möglichen Gegenmassnahmen

(Jedes Aquarium hat sein eigenes Millieu. Die gegebenen Tipps können zum Erfolg führen, sind aber kein Garant dafür. Weitere Tipps und Unterstützung findest Du im Aquarianer.ch-Forum.)

 

Blaualgen – Cyanophyta

Cyanobakterien - Blaualgen - Schmieralgen

Cyanobakterien - Blaualgen - Schmieralgen

Schmierige, oft übelriechende, dunkelgrüner Algenbelag auf dem Bodengrund und an Pflanzen. Diese Algen sind sogenannte Cyanobakterien und somit nicht als Pflanzen einzustufen. Es gibt ca. 2000 verschiedene Arten. Einige davon sind toxisch/giftig.

Ursache
Diese Algen treten oft in neu eingerichteten Aquarien auf. Blaualgen sind meistens ein Zeichen von zuviel Fütterung und Schadstoffübersättigung. Futterreste, die die Zierfische nicht aufnehmen, verrotten auf dem Boden und die Blaualge ernährt sich davon. Desweiteren sind schlechte Wasserwerte ausschlaggebend für diese Algenart. Auch Licht kann in manchen Fällen Ursache sein.

Gegenmassnahmen
Blaualgen aus dem Wasser entfernen, am besten duch Absaugen. Gleichzeitig einen Wasserwechsel vornehmen. Den Pflanzenbestand mit schnellwüchsigen Pflanzen ergänzen. Nur soviel Füttern wie notwendig. Einige Aquarianer haben diese Algen z.T. mit einer mehrtägigen und kompletten Verdunkelung des Beckens bekämpfen können. Oft verschwinden Blaualgen von selbst wieder.

Langfristige Massnahmen
Ein regelmässiger Teilwasserwechsel ist wikrlich sehr wichtig. Nur ein gesundes Wassermillieu entzieht den Algen die Nahrungsgrundlage. Blaualgen können sehr schnell wieder kommen. Deswegen ist es sehr wichtig, die Wasserwerte in den Griff zu bekommen und auf die Futtermenge acht zu geben.

 

Bart-und Pinselalgen (Rotalgen) – Rhodophyta

Bartalgen  ©Photo by Dusko Bojic

Bartalgen ©Photo by Dusko Bojic

Bartartige Büschel, dunkel gefärbt, meistens an den Blatträndern

Ursache
Die Bart- oder Pinselalge ist wohl die hartnäckigste ihrer Art. Hat sie sich einmal irgendwo festgesetzt, ist sie nur mit Mühe zu entfernen. Diese Alge ist meistens ein Anzeichen für zu hohe pH-Werte und/oder Mangel. Auch zuviele Nährstoffe im Wasser scheinen Bartalgenwuchs zu fördern. Weitere Ursachen können zu starke Filterung und zuviel Strömung im Becken sein, denn dadurch wird auch viel CO2 aus dem Wasser entweichen.

Gegenmassnahmen
Sofort die befallenen Blätter abschneiden. Und dann: Wasserwechsel, Wasserwechsel und nochmals Wasserwechsel. Am besten alle 3-5 Tage 1/3 des Wassers reinigen. Gleichzeitig CO2zugeben. Die Filterpumpe etwas reduzieren.

Langfristige Massnahmen
Regelmässiger Wasserwechsel!! Hier lohnt sich eventuell der Einsatz einer CO2-Anlage.

 

Grünalgen – Chlorophyta

Dünne lange Fäden oder feiner Belag auf Blätter und Steinen

Ursache
Grünalgen sind ein Zeichen für zuviel oder falsches Licht und Schadstoffen im Aquarium. Sie beziehen ihre Nährstoffe aus Phosphat und Nitrat. Diese entstehen unter anderem bei zuviel Fütterung. Auch eine schlechte Filterung kann ein Merkmal sein.

Gegenmassnahmen
Fadenalgen lassen sich mechanisch, also von Hand entfernen. Zusätzlich einen Teilwasserwechsel vornehmen und das Filtermaterial übeprüfen. Einige Fische wie die Siamesische Rüsselbarben sind heiss auf Grünalgen. Wenn diese aber zuviel normales Futter bekommen, lässt der Heisshunger auf Algen bald nach.

Langfristige Massnahmen
Mit einem regelmässigen Teilwasserwechsel und sorgfältiger Fütterung, sowie einer vernünftigen Filterung solltest du dieses Algenproblem bald in den Griff bekommen. Algenfressende Fische und manche Schneckenarten halten diese Algenart gut in Schach.

 

Kieselalgen – Bacillariophyta

Brauner Belag auf dem Boden und/oder auf den Steinen.

Ursache
Eine wesentliche Grundlage für Kieselalgen ist Silikat und dieses kommt direkt aus dem Wasserhahn. Die Kieselalge ist meistens die erste Algenart in eienm frisch eingerichteten Aquarium. Wie bei fast allen Algenarten ernähren sich Kieselalgen durch zu hohe Schadstoffe ( Nitrat ) im Aquarium. Nach einer gewissen Einfahrungszeit, verschwinden Kieselalgen aber von selbst wieder.

Gegenmassnahmen
Optimal wäre es das Wasser mit einem Silikatfilter zu filtern. Zusätzlich den Bodengrund reinigen und die Beleuchtung überprüfen. Gute Kieselalgenfresser sind Antennenwelse.

Langfristige Massnahmen
Der Einsatz eine Silikatfilters. Kieselalgen werden von Antennenwelsen sehr gerne gefressen.

 

Algen- oder Wasserblüte – Chlorophyta

Algenblüte

Algenblüte

Trübes Wasser durch Grünalgen (Schwebealgen), manchmal auch Cyanobakterien

Ursache
Im Gegensatz zur Kieselalge ist die Algenblüte ein Anzeichen für zuviel Licht im Aquarium. Dafür ist aber in den wenigsten Fällen die Beleuchtung schuld, sondern ein von aussen eintretendes Licht ( Sonne ). Je stärker der Lichteinfall, desto stärker die Vermehrung der Wasserblüte. Meistens ist der Standort des Aquariums falsch gewählt, so das zuviel tageslicht in das Aquarium einfällt.

Gegenmassnahmen
Zuerst ein Teilwasserwechsel vornehmen, der aber höchstwahrscheinlich nicht gerade zur Besserung behilft. Stelle fest, von welcher Seite aus das Aquarium zuviel Licht abbekommen könnte. Versuche diese Seite abzudunkeln (Glasscheibe von aussen abkleben ). Was aber längerfristig nicht viel bringt und optisch wohl kein “Eyecatcher” sein wird. Die effektivste Methode ist es ein UV-Klärer einzusetzen. Es tötet binnen weniger stunden die Schwebealgen ab.

Langfristige Massnahmen
Sollte trotz abdunkelung keine Besserung eintreten, so hilft einzig und allein ein Standortwechsel des Aquariums. Damit sollte man das Problem in den Griff bekommen.

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